„Diebstahl im Waisenhaus“ – szenische Lesung für Schulklassen

mit der Autorin Caroline Flüh und dem Schauspieler Hans-Jochen Röhrig.

Es war ein Montagmorgen und gleichzeitig der offizielle Start in unsere jährlich stattfindende Woche des Buches des Krokoseums der Franckeschen Stiftungen zum Welttag des Buches.

Die an diesem Morgen geladenen Kinder kamen aus der Reformschule „Maria Montessori“ und aus der Grundschule „August Hermann Francke“ vom Gelände der Franckeschen Stiftungen. Doch insbesondere solche Tage beginnen oft ungewiss, denn die Kinder haben sich nach den Wochenenden erfahrungsgemäß stets viel zu erzählen. Da gilt es Erlebtes auszuwerten und sich auszutauschen.

Die quirlige Schülerschar traf pünktlich im großen Bet- und Singesaal, dem sogenannten Freylinghausensaal der Franckeschen Stiftungen, ein. Diesen Saal betrat einst schon ein echter preußischer König. Das war genau am 12. April 1713. Da besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Schulstadt August Hermann Franckes, um das Werk zu besichtigen, das so viel Aufsehen in seinem Land erregte und weit über dessen Grenzen hinaus berühmt war.

Was sich nun tat, ist überaus nennenswert. Entgegen einiger Befürchtungen, wurde es schnell still und stiller im großen Raum. Denn es war eine echte Autorin geladen, Caroline Flüh aus Potsdam – einer Stadt, in der es nach dem Vorbild des Waisenhauses Auguste Hermann Franckes aus Glaucha bei Halle ein Militärwaisenhaus für Potsdamer Kinder gab. Zu diesem Waisenhaus hatte sie einen historischen Roman für Kinder geschrieben, der natürlich auch am Ort des ehemaligen Halleschen Waisenhauses auf reges Interesse stieß. So führte sie mit viel Geschick in die spannende Geschichte um den Diebstahl im Waisenhaus ein und schaffte es dabei von Beginn an hervorragend, die Kinder zu fesseln und in eine Zeit reisen zu lassen, die einerseits faszinierend, andererseits aber auch unerbittlich und hart für Waisenkinder war. Durch Rückfragen an die Kinder, Interaktivem und eine ausgezeichnete Auswahl an Gelesenem und Erzählten hielten die Kinder bald ihren Atem an, um zu erfahren, wie es mit der Geschichte und ihren Protagonisten weiterging. Bald kam eine weitere Überraschung ins Spiel, in Person Hans-Jochen-Röhrig, der als im Buch vorkommender strenger Waisenhaus-Präzeptor Gneist die Kinder im Zeichnen eines Porträts vom “großen” Friedrich unterrichtete. Zum Schluss war die Zeit im Nu verflogen. Alle Kinder hatten plötzlich ein ganz besonderes Leuchten in den Augen und waren froh, wieder im 21. Jahrhundert gelandet zu sein. Mit großem Applaus wurden Frau Flüh und Herr Röhrig für diesen wunderbaren, kurzweiligen und fesselnden historisch-literarischen Exkurs gedankt. Am Ausgang wurde sich dann rege über Dies und Das ausgetauscht, etwa über das Rezept der Zaubereinreibung und wie man an getrockneten Mäusedreck oder Blindschleichenhaut kommen könne. Wer nun wissen will, was es mit all dem auf sich hat, der muss es im Buch nachlesen!

Text: Susanna Kovács, Leitung Krokoseum der Franckeschen Stiftungen